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Tagebuch eines Abenteuers: Auf der Weihnachtsfeier 2011 kamen Jochen und Michaela mit der Idee an: Warum überqueren wir nicht mal zu Fuß die Alpen? Erste Reaktion: ungläubiges Staunen, dann: warum eigentlich nicht? So begann ich mich intensiver damit zu beschäftigen. Recherche im Internet, Kauf von Tourenbeschreibungen und Karten, Terminüberlegungen und Sichtung möglicher Mitwanderer. Langsam gewann das Projekt an Konturen. Im Januar buchte ich die ersten Quartiere und es fand die erste Vorbesprechung statt. Ende Januar begann das Fitnesstraining in Form von ausgedehnten Wanderungen. Zunächst waren es eher Spaziergänge, aber im Mai und Juni ging es mit vollem Gepäck auf den Feldberg. Wenn wir nicht auf Trainingstour waren, plünderten wir die Bergsportläden in und um Frankfurt auf der Suche nach dem Knirps mit eingebautem Klettergurt und GPS. Nur wiegen durfte alles nichts. Das Gewicht unserer Rücksäcke schnellte in die Höhe. So mussten schließlich das kleine Schwarze, der Smoking und ähnlich wichtige Dinge doch zuhause bleiben. Endlich war das Gewicht von 25 auf 10 Kilo reduziert und der Rucksack wieder zu heben. Aber wir hatten keine wirkliche Vorstellung was uns erwarten wird. Im Internet gibt es viele Beschreibungen des Europäischen Fernwanderwegs E5. Sie sind genauso unterschiedlich wie vermutlich ihre Schreiber. Unsere Nervosität steigerte sich unaufhörlich. Am 8.Juli war es dann soweit: Montag, 8.Juli 2013 Um 7:25 Uhr sind wir am Buchrainplatz und fahren mit der 16 zum Hauptbahnhof. Christel, Elke, Andy, Arno, Harry und Zimmi treffen dort auf Michaela, Conny und Jochen. Um 8:12 Uhr fährt unser IC nach Ulm. Es gibt gleich Prosecco aus der Dose für die drei Mädels. Jochen denkt einfach an alles! Um 11:19 Uhr steigen wir in Ulm um in den RE nach Oberstdorf. Wir haben zum Glück reservierte Sitzplätze und sind im richtigen Zugteil, denn kurz vor Oberstdorf wird ein Teil der Wagen abgekoppelt. 13:30 Uhr Ankunft in Oberstdorf. Vor dem Bahnhof stehen schon die Kleinbusse bereit, die uns zur Spielmannsau bringen. Zum Glück! Noch ein kurzer Stopp an der Oberaualpe mit Dickmilch und Apfelsaftschorle. Lange Hose wird gegen kurze getauscht. Sonnencreme aufgetragen, denn die Sonne scheint vom blauen Himmel. Wenn Engel reisen! 14:45 Uhr Aufstieg zur Kemptner Hütte und kein Besteck auf dem Weg. Ob wir das schaffen? 854 Höhenmeter mit 10 Kilo Gepäck auf dem Buckel. Wir müssen unseren Rhythmus finden – einige laufen schneller und andere langsamer. Es beginnt zu regnen. Endlich – die Hütte liegt rechts oben, ist in Sichtweite. Um 17:30 Uhr haben wir es endlich geschafft! Jetzt duschen – aber leider nur kalt. Egal, Hauptsache gewaschen. Nach dem Abendessen geht’s bald ins Bett. Dienstag, 9.Juli 2013 Um 6 Uhr steht Conny auf und zeigt uns wie viele Plastiktüten er dabei hat. Es knistert gewaltig und es scheint, als wären Helga und Werner dabei! 7:30 Uhr Abmarsch und Aufstieg zum Mädelejoch. Von dort geht’s abwärts Richtung Lechtal. Nach zwei Stunden das erste Besteck: die Rossgumpenalm. Arno ist ziemlich am Ende. Seine Beinmuskulatur ist doch nicht genug trainiert. Er wird gedopt: Magnesium von Jochen und Franzbranntwein von Harry! 
Nach Holzgau brauchen wir noch eine Stunde. Am Dorfplatz ruft uns Arno zwei Sammeltaxis von Fred Feuerstein. Taxi 1 fährt Ronald, ein lustiger Fahrer, der so manchen Witz auf Lager hat. Er fährt uns bis zur Lastseilbahn hinter Madau. Hier müssen wir aussteigen aber das Beste ist: wir müssen unser Gepäck nicht tragen – das fährt mit der Seilbahn. Große Freude und Erleichterung bei allen. Gegen 12:30 Uhr laufen wir los und genießen das lockere, gepäcklose Gehen. Auf der Karte ist das nur ein kleines Stück, aber es zieht sich über fast 700m Höhenmeter teilweise durch Schneefelder nach oben. Murmeltiere pfeifen uns ein Ständchen und auf 2242m begrüßen uns Pferde an der Hütte – ein schönes Bild. Dann geht’s unter die heiße Dusche. Anschließend gibt’s zur Belohnung Kaffee und Kuchen. Harry lobt den Kuchen, also muss er schmecken! Das tut er auch. Abends steigt das große Fressen, denn die Hütte ist voll belegt und alle sind am spachteln. Andy, Conny und Zimmi schlafen im Lausbubenzimmer. Das passt! Mittwoch, 10.Juli 2013 Nun steht uns eine lange Tour bevor. Zimmis Knie werden nur noch vom Tape zusammengehalten. Über die Seescharte geht es runter nach Zams im Inntal – easy denken wir. Um 7:30 Uhr geht’s los und  schon kurze Zeit später haben wir einen Ausblick auf den Anstieg zur Seescharte. Dort sehen wir andere Gruppen wie Ameisen durch die Schneefelder stapfen. Zunächst geht es über Geröllfelder in Serpentinen aufwärts, dann über den Schnee. Aber was ist das? Plötzlich sehen wir oberhalb von uns ein großes Rudel Steinböcke – Wahnsinn! Bestimmt 20 bis 30 Tiere. Sie lassen sich durch uns nicht stören. Wir durch sie aber auch nicht lange und so steigen weiter aufwärts zur Seescharte. Die letzten Meter sind seilgesichert und wir müssen uns an ihnen nach oben ziehen. Jetzt sind wir auf 2600m und müssen runter auf 800m. Thomas dopt sich noch mit einem Riegel und dann geht es anfangs steil bergab. Um 11:30 Uhr haben wir die Obere Lochalm auf 1800 m Höhe erreicht. Die Pause wird genutzt um die Füße im nahen Bach zu kühlen. Die Wassertemperatur schnellt sofort in die Höhe aber für unsere Füße ist es eine Wohltat. Anschließend geht es über eine schmale Hängebrücke, dann durch einen lichten Nadelwald über saftige Weiden den Lochbach entlang. Die Landschaft wirkt wie verzaubert. Endlich erreichen wir die Untere Lochalm (1580 m). Hier gibt es erst mal Speckbrote und Apfelsaft-Schorlen, schließlich liegen immer noch fast 800 Höhenmeter Abstieg vor uns. Und die zieeeeeeeehen sich. Es geht durch das enge Zammer Loch an einer steilen Felswand entlang. Die Sonne trocknet unsere Kehlen aus. Juttas ganzer Mut ist auf dem schmalen Weg gefordert, aber Andy geleitet sie sicher bergab. Als wir um 16:30 Uhr Zams erreichen sind wir mit den Kräften am Ende und die Socken qualmen wie der Eyjafjallajökull 2010. Diese Etappe hat uns geschafft. Donnerstag, 11.Juli 2013 Und wieder Sonne am Himmel. Heute teilt sich die Gruppe für zwei Tage. Eine Gruppe (A) fährt mit Bahn und Bus ins Ötztal nach Zwieselstein. Die andere Gruppe (B) geht den E5 weiter ins Pitztal und steigt dann über das Pitztaler Jöchl hinunter nach Zwieselstein. Dort treffen wir uns wieder. Gruppe A hat einen gemütlichen Ausruh-Tag vor sich. Am Nachmittag gibt es eine kleine Wanderung entlang der Gurgler Ache zum Sahnestüberl. Auf dem Weg dorthin stürzt der Timmelsbach in einem beeindruckenden Wasserfall  eine Felswand hinunter. In der gemütlichen Almhütte gibt es frische Sahne mit Preiselbeeren – einfach köstlich! Für die Gruppe B ist Abmarsch um 8:00 und um 8:30 mit der Gondel auf den Venet. Ein schöner Panoramaweg führt uns bei mäßigem Gefälle zur Galflunalm zu einer kleinen Pause. Christel und Michaela müssen unbedingt einen Kaiserschmarrn testen. Der Test verläuft sehr positiv. Wir schließen uns einer Wandergruppe an, die diverse Abkürzungen hinunter nach Wenns kennt. Der dort wartende Bus bringt die Truppe durchs Pitztal bis Mittelberg. Wir dürfen gegen einen kleinen Obolus mit, quetschen uns dazu und kommen so zu einer großen Zeitersparnis.
Am Talende schicken wir unsere Rucksäcke mit der Materialbahn nach oben. Nach einer Trinkpause im Gletscherstüberl geht es los. Entlang einem Wasserfall müssen wir steil nach oben, z. T. ist sogar etwas klettern im Fels angesagt. Weit oben ein Aha-Erlebnis. Plötzlich hat man den Abbruch vom Pitztalgletscher quasi direkt vor sich. Die Hütte zum Greifen nah, dauert es immer noch eine halbe Std. bis man oben ist. Dafür werden wir mit einer Top Hütte belohnt. In 2011 komplett saniert. Gegen 21:00 geht das große Gähnen wieder los und wir gehen kollektiv in unser schönes 7ner Zimmer. Freitag, 12.Juli 2013 Gruppe A läuft heute der Gruppe B entgegen. Was werden sie wohl berichten? Der Weg führt an der Vent und vielen Bienenstöcken entlang und steigt dann steil an Richtung Gaislachkogel. Um 12:30 Uhr ist die Gaislachalm auf knapp 2000 m erreicht. Die Sonne scheint und so genießt die Gruppe das Warten auf die Gletscherüberquerer. Ab 13:15 treffen die ersten ein und so nach und nach sind wir wieder komplett. Für Gruppe B ist um 6:00 Aufstehen. Die einhellige Meinung aller ist: Ich habe keine Minute geschlafen. 6:30 Frühstück und 7:30 Abmarsch bei natürlich blauem Himmel. Andi, Conny und Harry gehen über das Pitztaljöchl, der Rest über das Rettenbachjöchl. Das sind 300 sehr anstrengende Höhenmeter über Schneefelder und durch den Fels. Michaelas Stock macht sich kurzfristig selbstständig, wird aber heldenmütig gerettet. Oben sind wir auf 2993 m, es fehlen leider 7 m. Dann geht es den Rettenbachferner auf direktem Weg runter. Christel und Michaela schnallen sich ihre Regenjacken unter und erledigen das z.T. auf dem Hosenboden. An der Talstation treffen wir uns wieder mit den drei anderen. Weiter abwärts geht es längere Zeit auf der Talabfahrt. Die blaue 30, welche sich als Connys Lieblingsstrecke herauskristallisieren sollte. Endlich können wir abbiegen und gehen einen wunderschönen Weg am Hang entlang bis zur Gaislachalm. Wir freuen uns, dass wir wieder zusammen und wohlauf sind. Nach einem Imbiss und einem herrlichen Sonnenbad treten wir den Weg nach Zwieselstein an. Samstag, 13.Juli 2013 Heute überschreiten wir am Timmelsjoch die Grenze nach Italien. Doch davor geht erst mal wieder über 1000 Höhenmeter nach oben. Wir laufen den wunderschönen Timmelstaler Urweg und genießen immer wieder tolle Aussichten. Leider verläuft der Weg ein langes Stück parallel zur Passstraße. Dort rasen die Motorradfahrer und Autofahrer mit Getöse zum Timmelsjoch. Dazwischen immer wieder viele Radler die lautlos und mühevoll dieselbe Strecke absolvieren. Sie ist eine Etappe des Ötztaler Radmarathons. Die letzten Meter geht es nochmal steil bergauf und so sind wir froh, dass wir um 13:00 Uhr im Schmuggler Haus eine Rast einlegen und uns frische Energie zuführen können. Bevor es weitergeht lässt sich Christel noch mit Jan Ullrich ablichten. Frisch gedopt kann’s weiter gehen. Durch ein Felsenmeer steigen wir auf der italienischen Seite hinunter.  Von 2500 m geht es hinab auf 1000 m. Nach den ersten 800 Höhenmetern wandern wir an der Passer entlang nach Rabenstein. Eine Pause tut uns gut bevor es die letzte Etappe weiter nach Moos geht. Dieses Stück ist zermürbend, weil der Weg asphaltiert ist und ein langer Teil aus einer Baustelle besteht. Am Ortseingang von Moos durchqueren wir einen Tierpark und sehen einen Steinbock. Aber kein Vergleich mit dem großen Rudel an der Seescharte. Es ist schon Abend als wir endlich im Café Maria in Moos eintreffen. Nach einer „kleinen“ Vorspeise aus frisch gemachten Nudelvariationen lassen wir uns köstliche Pizzen munden. Herrlich dünner Teig – einfach köstlich! Jetzt geht’s uns wieder gut. Sonntag, 14.Juli 2013 Die schwierigsten Etappen haben wir gut überstanden. Dennoch geht es um 9 Uhr erst mal wieder hoch. Ein wunderschöner Wald- und Wiesenweg führt uns bergauf bevor wir dann leider auf einer asphaltierten Straße das letzte Stück nach Stuls laufen. Nach einem leckeren Eis wandern wir frisch gestärkt weiter nach St. Leonhard. Die letzte Strecke nach St. Leonhard geht es nochmal 630 Höhenmeter richtig steil bergab. Dort erwartet uns der Brückenwirt mit selbstgebrautem Bier. Langsam macht sich bei herrlichem Sonnenschein Urlaubsstimmung breit und die Strapazen treten in den Hintergrund. Eine Gruppe läuft den Waalweg entlang nach St. Martin. Die Wanderung entlang des Waalwegs ist zauberhaft. Der Weg ist schattig und nur mit leichten Steigungen und Gefällen gestaltet. Eine wahre Erholung. Die andere Gruppe läuft weiter entlang der Passer. Sie machen noch eine Rast mit Fußbad auf Felsen mitten im reißenden Bach. Dennoch kommen wir nahezu gleichzeitig in unserem Etappenziel St. Martin an. Abends geht’s noch ins Brauhaus Martinsbräu. Montag, 15.Juli 2013 Endspurt: Auf zur letzten Etappe! Wir laufen früh los, den Passerweg am Bach entlang. Wir genießen den eben verlaufenden Weg. Nach zwei Stunden erwartet uns ein „Besteck“. Auf dem Torggler Hof werden wir unglaublich freundlich empfangen. Obwohl wir verschwitzte Wanderer sind stellen Sie uns in ihrem wunderschönen Garten Tische nach unseren Wünschen zusammen. Es ist ein traumhaftes Ambiente. Ein weitläufiges Gelände mit Apfelplantagen und wir sitzen unter einer riesigen alten Weide. Hier würden wir alle gerne länger bleiben. Aber heute haben wir ein anderes Ziel: Meran! Das Ende unserer langen Wanderung. Also laufen wir den Maiser Waalweg weiter. Um 14 Uhr haben wir Meran erreicht. Wir freuen uns alle riesig, dass wir unser Ziel gesund erreicht haben. Im Hellwegers Restaurant feiern wir unsere Ankunft auf der anderen Seite der Alpen.  Wer hätte das gedacht? Wir sind wirklich eine Woche lang gelaufen nach dem Motto: So weit die Füße tragen! Die Ankunft erfüllt uns alle mit Stolz und auch mit Demut. Die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt. Und das Beste: Wir haben uns prima verstanden und waren ein tolles Team! Nach einer Sightseeing-Runde durch Meran ging’s mit dem Bus zu unserer Unterkunft in Algund. Dienstag, 16.Juli 2013 Jetzt heißt es Abschied nehmen. Die meisten fahren heute zurück nach Frankfurt. Vier bleiben noch ein paar Tage zur Erholung in Algund. Die Heimfahrer begleiten wir noch zur Bus-Haltestelle. Dann müssen wir Abschied nehmen. Es war eine wunderbare Zeit mit euch. DANKE!
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